…ein junger Mister von 18 Jahren. Der Mister hatte eine Freundin, die zwei Jahre jünger als er war, als es zu einem „Unfall“ kam. Dieser Unfall kam neun Monate später auf die Welt und war ein niedlicher Junge, den man Nico nannte.
Nicos Mutter war zur Zeit seiner Geburt 16 oder 17 Jahre alt, ich weiss es nicht mehr genau und somit jedenfalls hatte das Jugendamt mit der Minderjährigkeit der Mutter automatisch mit Obacht auf das Kind. Die Mutter unreif und voller Lebenslust fand Party machen wichtiger als sich um das Kind zu kümmern und so schob sie das Kümmern auf den Mister. Was nicht immer leicht war, da der Mister seiner Zeit seinen Dienst bei der Marine ableistete. Oft ruften die Nachbarn in der Kaserne an, dass man das Kind weinen hörte, was, wie sich rausstellte, hiess, das Madame das Kind alleine gelassen hatte und jedesmal musste der Mister gucken, wie er aus der Kaserne rauskam. Er hatte zwar einen tollen Vorgesetzten aber irgendwann war auch bei dem die Geduld am Ende und so ist der Mister dann irgendwann immer abgehauen. Stolz war der Mister, dass er tatsächlich einen Platz auf der Gorch Fock bekommen hatte und diesen bald antreten sollte. Dazu kam es aber nicht mehr. Nach einer der üblichen jungmütterlichen Eskapaden musste der Mister erneut ohne Erlaubnis das Kasernengelände verlassen und wurde, wie schon vorher angedroht, unehrenhaft entlassen.
Aber egal, welche Wahl hatte er? Die Mutter hatte keine Schmerzen damit, das Kind alleine zu lassen, was früher oder später zu Komplikationen führen musste! Das Jugendamt schaltete sich verstärkt ein und der Mister als unehelicher Vater hatte derzeit keine Chance, ergo wurde beschlossen, dass seine Eltern die Pflegschaft für den Kleinen beantragen würden und schlussendlich auch bekamen. Das sollte eine Lösung sein, damit das Kind nicht weggenommen werden kann. Alles war dem Mister Recht, solange Nico ihm nicht weggenommen werden würde! Die Lösung funktionierte solange, bis die Mutter des Misters, „die Uschiiii“, sich eine Affäre anlachte und sich sicher war, sich scheiden lassen zu wollen und somit dem Jugendamt gegenüber sagte, dass sie die Pflegschaft nicht länger übernehmen könne. Die Affäre war schnell beendet aber der Werdegang beim Jugendamt nicht mehr aufzuhalten.
Es kam was kommen musste… man trat an die minderjährige Mutter heran, überredete sie das Kind zur Adoption freizugeben. Sie unterschrieb recht schnell die Freigabe und auch der Mister wurde des öfteren geladen. Zwar nur unehelicher Vater ohne Rechte, wollte das Jugendamt die Geschichte in trockene Tücher wissen. Der Sachbearbeiter drängte und drängte, brachte immer die selben Sprüche: „Mister, Sie als unehelicher Vater haben eh keine Rechte und die Adoption ist auch ohne ihre Einstimmung beschlossene Sache.“ Zu dem Zeitpunkt muss sie tatsächlich schon beschlossene Sache gewesen sein. Warum, erklärt sich später durch die Wichtigkeit der angehenden Adopitveltern.
Komische Ideen kamen in den Sinn. Ein Freundin bat sich an, den Mister proforma zu heiraten. Jede noch so kleine Chance musste doch genutzt werden und das Jugendamt würde doch dann ein Einsehen haben und dem leiblichen Vater das Kind geben? Es nutzte nichts! Nachdem jedenfalls dem Mister immer und immer wieder erzählt wurde, Nico würde so oder so adoptiert werden unterschrieb der Mister irgendwann auch. Das würde sich später in den Akten besser machen. Dann würde dort nicht stehen, dass Nico den Eltern entrissen werden musste. So hätte er vielleicht irgendwann noch mal die Chance seinem Sohn als verantwortungsbewusster Vater gegenüber treten zu können, blabla, blablub… Aber mit eben 19 Jahren nun, ist man unbedarft und kommt nicht auf die Idee, dass auch solche Menschen einem eiskalt ins Gesicht lügen! Hätte er es nur nicht getan, hätte er nicht unterschrieben! Unwissend und durch das Amt falsch belehrt, hatte er somit die einzige Chance auf den Sohn vertan! Die Adoption hätte ohne seine Einwilligung nie stattfinden können. Wenn auch unehelich, gibt oder gab es wenigstens im Westteil Deutschlands keine Art der Zwangsadoption und entgegen aller Aussagen, hätte der Mister sich wehren können. Als eingetragener leiblicher Vater hätte er sehr wohl gegenan gehen können. Auf die Idee einen Anwalt zur Hilfe zur nehmen kam der Mister nicht, es war fernab seiner Vorstellungskraft, dass ihn Beamte des Jugendamtes belügen würden!
Irgendwann später, traf der Mister den Sachbearbeiter vom Jugendamt wieder und er tat etwas, dass er trotz Strafe bis heute nicht bereut. Zwischenzeitlich hatte der Mister nämlich erfahren, dass er von dem guten Mann belogen wurde, Nico nie hätte adoptiert werden können ohne seine Unterschrift! So ging er auf den Mann zu und nach zwei, drei gezielten Faustschlägen ging dieser blutend mit gebrochener Nase und ebensolchem Unterkiefer zu Boden. Die Hilflosigkeit nichts tun zu können, der Brass auf Nicos Mutter, die den Sohn zur Adoption frei gab und Initiator war, der Zorn auf die eigene Mutter, die die letzte „Rettung“ verspielte und der ihr der Liebhaber wichtiger war. Und eben das endliche Wissen darüber, von dem Mann belogen worden zu sein und schlussendlich die Wut auf sich selbst, es icht besser gewusst zu haben….Tja, da musste einer für herhalten und ich denke genau der Richtige!
Der Mann, der einer angesehenen Kieler Geschätfsfamilie zu einem Kind verhelfen wollte. Doch, er hatte es verdient! Ja, er hatte! Ich bin gegen jede Form der Gewalt aber wenn ich eines nachvollziehen kann, dann des Misters unfassbare, wirklich unfassbare und hilflose Wut und ich könnte mir gut vorstellen, in eben dieser Situation genauso handeln zu würden. Der Mister verabschiedete sich dafür für ein Viertel Jahr hinter schwedische Gardinen. Verbeamtete zu verhauen ist trotz scheinbar nachvollziehbarer Gründe keine sehr gute Idee! Jedenfalls sieht die deutsche Rechtssprechung es so!
Was folgt, ist ein Cut von 20 Jahren…
Der Mister, mittlerweile 40 Jahre alt, selbst ein Geschätfsmann wie er im Buche steht und in einer weitaus besseren Position als 20 Jahre zuvor, nutze das Dato im Überfluss vorhandene Geld um durch eine Detektei Erkundigungen einziehen zu lassen. 3000€ sollte der aktuelle Name und der Verbleib des Kindes kosten. Die Erkundigungen waren Erfolgreich, so lautete ein Anruf des Detektives und der Mister wurde zu einem Treffpunkt bestellt. Dort angekommen, wurde der Preis verdoppelt, der Mister hätte besser ein Taxi nehmen sollen. Fährt man ein teures Auto, bekommt so ein gegenüber schnell mal Dollarzeichen in den Augen aber was sollte es. Wollte er das Ergebnis wissen, so musste er zahlen und das tat er auch.
Der Name ist bekannt! Gerade in Kiel. Ein alt eingesessenes und vor allem hoch angesehenes Unternehmer Ehepaar, er über Jahrzehnte ein hochwichtiger Mitorganisator der Kieler Woche ( mehr sage ich dazu nicht, sonst hat man das null komma nichts ergoogelt. Pauschal, wie ich es hier schreibe ist nichts zu finden ). Was eben klar werden liess, warum der Beamte des Jugendamtes unbedingt einen reibungslosen und wasserdichten Ablauf wollte. Einen Skandal, dass der Mister Prozesse hätte führen wollen, wären „unangebracht“ gewesen.
Wie kommt nun so ein Detektiv an Daten einer anonymen Adoption? Das fragte auch der Mister und zur Antwort bekam er, dass das Tagesgeschäft sei und auch die Mitarbeiter des Jugendamtes in Kiel für Geld mehr erzählen, als sie dürfen! Schmiergelder zahlen als Tagesgeschäft. Jeder ist käuflich, auch Beamte! Der Mister hatte es ja vorab auf dem legalem Wege selber versucht. Eine ganze Mappe Schriftverkehr darüber gibt es, die alle zum selben Ergebnis führten – zu keinem!
Und wie Bestechungen in die eine Richtung laufen, so funktioniert das auch in die andere. Verständlich?
Es wurde nochmal über den legalen Weg versucht aber Seitens des Jugendamtes hiess , dass die Eltern nach wie vor nicht wollten, dass der Mister etwas über den Sohn weiss. Das ist ja anonym und bis heute sind sie der Meinung, dass es nach wie vor so ist. Woher sollten sie wissen, dass wir es besser wissen? Aber sagen kann und darf man das auch nicht! Auch Schmiergelder zahlen ist ein Straftatbestand, für den man den Mister aber auf seines gesundheitlichen Zustands nicht mehr belangen würde. Selbst wenn man argumentieren würde, davon nichts gewusst zu haben, was ja auch der Wahrheit entspricht, so schützt Unwissenheit auch hier nicht vor Strafe!
Jedenfalls hiess es in dem „anonymen“ Schriftverkehr über das Jugendamt, dass die Eltern es nicht für richtig halten, dass Nico Kontakt zu seinem Vater habe. Er sei sozial ohnehin eher den unteren Schichten zugetan und es gäbe dadurch ohnehin genug Probleme! Ein hochtrabende Aussage, sozial den unteren Schichten zugetan. Höre nur ich dort eine gewisse Arroganz heraus?
Ich habe dann oftmals gegoogelt, ob irgend etwas über Nico in Erfahrung zu bringen ist. Aber ausser seinem Adoptivvater, brachte das Netz nichts hervor.
Sei es, wie es ist…. jedenfalls googelte ich vor einem halben Jahr mal wieder nach Nico und ich erschrak fast zu Tode, als sein Name in der Suchmaske tatsächlich erschien. Ich habe das immer mal wieder gemacht. Mal einmal im Monat, mal zwei mal, mal erst nach zwei Monaten wieder und plötzlich taucht sein Name tatsächlich auf. Mein Herz klopfte bis zum Hals als ich den Link anklickte. „Bitte, lass ein Foto für den Mister dabei sein“ Und es war ein Foto! Ein etwas älterer Herr neben zwei Jüngeren und welcher von den beiden Nico ist, war ohne Zweifel klar. Eine Neuauflage des Misters, original ein und das selbe Gesicht. Erschreckend fast die Ähnlichkeit! Selbst die Denkerstirn mit Zornesfalte findet sich in seinem Gesicht wieder!
Und jetzt steht es hier, das Foto von Nico. Gerahmt für den Mister, neben einem sehr unscharfen Foto, das einen Nico im Alter von eineinhalb Jahren zeigt. Das Foto des Sohnes neben dem Foto eines doch unbekanntes aber nie vergessenen jungen Mannes!
Irgendwann einmal vielleicht…..
Tasha