Ich mag ihn, unseren Physiotherapeuten!
Er versteht was von dem was er tut und ist dazu mit einer Menge Humor gesegnet. Aus der planmässigen 3/4 Stunde werden in der Regel meist eineinhalb. Heute kam er aus dem Urlaub zurück. Eine Kollegin hatte ihn vertreten, die, so sagte er, reichlich Bammel davor hatte zu uns zu kommen. Ich habe da nichts von mitbekommen, es lief die letzten 14 Tage wie gewohnt angenehm.
Ab und an bringt er dann so seine Bolzen, die mich dann wiederum zum Nachdenken bringen.
„Ganz ehrlich?“ Sagte er heute bei der obligatorischen Kippe „danach“…. „vor zweieinhalb Jahren, als ich zum ersten Mal hier war, habe ich dir höchstens ein Jahr gegeben. Ich habe dir nicht zugetraut, dass du tust was du tust und wenn ich euch heute so ansehe, seid ihr aus therapeutischer Sicht das Vorzeigepärchen schlechthin!“
„Da hast du mich wohl verkannt“, gab ich zur Antwort. „Nein“, sagte er, „Neurologie kann man nicht erlernen, entweder man kann es oder man kann es nicht. Schau dir den D. aus der August-Bier an. Der macht das seit 20 Jahren und zwar nicht nur weil er es gelernt hätte, sondern weil er es kann. Für das, was du hier tust, muss man einfach nur durchgeknallt sein. Wie eben der D. es auch ist, der ist nur bekloppt und hat den ultimativen Schuss weg. [Anm. der Verfasserin: Der Typ ist mehr als nur durchgeknallt!] Nein, ich habe dir echt kein Jahr gegeben. Ich hätte darauf gewettet und heute weiss ich, dass du bekloppt genug bist, das ewig zu tun“

Warum ich kaltschnäuziges Etwas bei sowas immer Pippi in den Augen kriege weiss ich beim besten Willen nicht. Er, unser ausgeschriebener Lieblingstherapeut, ist der Einzige, der das immer mal wieder schafft. Er ist es, der es schafft, dass ich selbst sehe was ich tue und dass ich das in der Tat verdammt gut mache. Alle Vierteljahr, als ob er sich das im Kalender eintragen würde, fängt er mit sowas an und zeigt mir auf seine ureigene Art, dass ich gar kein so schlechter Mensch bin, wie ich selbst manchmal tue und deswegen musste ich das jetzt aufschreiben, damit ich mich später selbst mal daran erinnere, wenn er es nicht mehr tut.
Ja, ich mag ihn und ich werde ihn verdammt noch mal schrecklich vermissen wenn wir umgezogen sind und ich glaube auch er wird uns vermissen. Er findet den Mister nach wie vor „spannend“. Wenn man bedenkt, dass die Prognose der Ärzte mehr als nur grottenschlecht war, hat er schon jetzt mehr erreicht, als man überhaupt für möglich hielt und unser Therapeut H. hält noch ganz andere Dinge für möglich. Ich ja sowieso…. nur leider wird er uns nicht begleiten können. Jedenfalls nicht bei der „Arbeit“, nur noch am Telefon :(

„Das Unmögliche erreichen kann man erst, wenn man das Absurde versucht hat!“

Tasha, die immer noch schrecklich sentimental drauf ist und sich ertsmal ne halbe Stunde in der Waagerechten gönnt…